Nomoshka!

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Es ist 6:30 Uhr, seit dem Abitur bin ich nicht mehr so früh aufgestanden, doch da steht eine Horde Kinder vor meiner Zimmertür und skandiert „Didi“, „Didi“.

Didi“ bedeutet in Bengali „große Schwester“ und seit dem 3. Oktober 2015 bin ich die große Schwester von insgesamt 34 bengalischen Kindern. Da steht man besser auf, wenn man gerufen wird.

Ich bin Marie, Marie Habben, 19 Jahre alt und lebe in einem kleinen Dorf auf Rügen.

Für mich war klar, dass ich nach bestandenem Abitur weder sofort ein Studium, noch eine Ausbildung anfangen werde, sondern mich in einem fernen Land sozial engagieren möchte. Denn auf diese Weise lerne ich eine völlig fremde Kultur, sowie deren Sprache kennen, mache viele wichtige Erfahrungen und kann gleichzeitig etwas zurückgeben.

 

So kam es, dass ich mich mit dem Beginn meines letzten Schuljahres nach einem sozialen Projekt umschaute. Dabei hatte ich kein bestimmtes Land vor Augen, weil ich mich sowohl für die verschiedenen Kulturen in Afrika, als auch in Asien gleichermaßen interessierte, es musste nur weit weg sein.

Es dauerte eine ganze Weile, bis ich endlich auf die Idee kam eine gute Bekannte zu fragen, die Ärztin Antje Coordt, Gründerin der Kinderhilfsorganisation KinderLachen009 Rügen e.V., von der ich wusste, dass sie auch Kindern in Entwicklungsländern hilft. Dank ihr bot sich mir die Möglichkeit in einem bengalischen Kloster zu leben und in dem dort integrierten Waisenhaus zu arbeiten.

Besser konnte ich es mir gar nicht vorstellen.

Ich trat in Kontakt mit der für das Waisenheim verantwortlichen Schwester, Sr. Catherine Purification, die mich sofort nach Chittagong, einer Hafenstadt im Süden des Landes, einlud.

Bis zu meinem endgültigen Abflug war es ein steiniger Weg, auf dem mir nicht nur Frau Coordt und Sr. Catherine zur Seite standen, sondern auch Brayan Anthony, Leiter des Projektes der „German Doctors“ in Chittagong.

Als ich dann endlich im Flugzeug saß, mich von meiner Familie verabschiedet hatte und einer langen Reise in ein mir völlig unbekanntes Land entgegen sah, kamen mir Zweifel: „Was würde mich erwarten?“, „Bin ich den dortigen Aufgaben gewachsen?“, „Was mache ich, wenn ich mit dem Kulturschock nicht umgehen kann?“.

Diese Gedanken wurden mit meiner Ankunft im Kloster der „Congregation of our Lady of Missions“ sofort weggewischt, denn ich kenne kein Land, in dem die Menschen so unglaublich gastfreundlich, zuvorkommend und interessiert sind, wie das bengalische Volk. Ich wurde so liebevoll aufgenommen, mit so viel Fürsorge behandelt, dass mir schnell bewusst wurde, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Nun sind bereits 1 ½ Wochen vergangen, ich lerne fleißig Bengali, die Amtssprache des Landes, denn selbstverständlich können die jüngsten Bewohner des St. Benedict’s Nursery kein Englisch und ich probiere jede Menge köstliche Gerichte, denn all den scherzhaften Bemerkungen zum Trotz gibt es nicht nur Reis und Curry.

Doch mein Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den Kindern. Die habe ich innerhalb kurzer Zeit fest in mein Herz geschlossen und allem Anschein nach mögen mich diese lebendigen, fröhlichen Geister auch ganz gern.

Den Vormittag verbringe ich meist mit den Kleinsten, spiele, singe und tanze mit ihnen. Die Nachmittage sind recht abwechslungsreich, so bin ich mal für ein paar Stunden im Noviziat, um dort den jungen Frauen Englisch beizubringen, mal gehe ich zusammen mit Catherine auf Entdeckungstour, oder besuche den Gottesdienst.

Doch selbstverständlich ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen.

Die Kinder sind meist aufgrund ihres armen Elternhauses und der Trennung, bzw. des Todes ihrer Eltern traumatisiert und brauchen viel Zuwendung. Zudem mangelt es an Kleidung, Schulmaterial und natürlich Geld, denn das Waisenhaus ist auf Spenden angewiesen.

Ich bin erstaunt und sehr berührt von der Bereitschaft der eigenen Bevölkerung zu teilen und den Kindern die unterschiedlichsten Dinge zu kommen zu lassen, geht es ihnen finanziell doch auch oft nicht besser.

Egal ob arm oder reich, Moslem, Hindu, oder Christ.

Ich bin überzeugt, dass sich für mich mit der Zeit immer neue Aufgaben bieten werden, die es mir ermöglichen innerlich zu wachsen und meinen Blickwinkel auf die wichtigen Dinge des Lebens zu ändern. Schon jetzt begegnen mir sehr viele kulturelle Gegensätze, von denen viele positiv sind, andere mich aber vor die Herausforderung stellen, meinen eigen Standpunkt zu bewahren, bzw. zu überdenken.

Hoffentlich kehre ich, dank dieser Menschen, als eine bewusstere Person zurück, als die, die vor ein paar Tagen aufgeregt ins Flugzeug gestiegen ist.

Wenn auch Sie, so wie ich mich auf den Weg machen wollen, dann können Sie mit einer kleinen Spende diesen Kinder ein große Hilfe sein, ihren Weg im Leben zu finden, indem Sie diesen Kindern ein tägliches Essen und Kleidung ermöglichen.

Teilen Sie mit den Kindern, damit das Glück zu Ihnen zurück kommt!

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